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Salud-demos, HIV-Prävention für Jugendliche

Zusammenfassung der Ziele und erwarteten Wirkungen des Projekts (10 Zeilen)

Salud-demos ist ein Präventions- und Bildungsprojekt. Es konzentriert sich auf die HIV-Prävention und auf wichtige Themen der Sexualaufklärung (Schwangerschaftsverhütung, präventivem Schutz-verhalt vor sexueller Gewalt, Rechte und Eigenverantwortung der Jugendlichen). Die erste Ziel-gruppe umfasst Jugendliche im Alter von 10-16 Jahren, die Schulen, Schulheime, Waiseninternate, Jugendklubs, Strafanstalten für Jugendliche u.ä. in ressourcenarmen Quartieren besuchen. Sie sind durch die Auswirkungen von ungenügender Aufklärung, fehlender Präsenz von staatlichen Kampagnen durch die rasche Ausbreitung der HIV-Ansteckungen besonders gefährdet. Als Metho-de der Präventionsarbeit dient das Forumtheater, es führt zu einer sozial-emotionalen Vertiefung von Lern- und Veränderungsprozessen und fördert u.a. Körperbewusstsein und soziale Kompe-tenz. Als zweite Zielgruppe werden die Eltern und die Lehrpersonen aufgrund ihrer wichtigen Vorbildfunktion miteinbezogen. Der dritte Wirkkreis betrifft die koordinierte Zusammenarbeit mit staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen. Ziel ist es, das Aktivitäten in der HIV-Prävention zukünftig besser koordiniert und unterstützt, die Sexualaufklärung im Bildungswesen dem neusten Wissensstand angepasst und Forumtheater als gültige Methode der Prävention anerkannt wird.

Beschreibung des Projekts

1. Hintergrund und Kontext des Projekts

Das Projekt wurde von der Stiftung Doctora Clown lanciert. Durch ihre tägliche Arbeit in Spitälern mit hospitalisierten Kindern (u.a. in der Neonatologie mit zunehmend HIV-infizierten Säuglingen), in Gesundheitszentren (Prävention mit jugendlichen schwangeren und stillenden Frauen) und in Schulen (generelle Präventions- und Bildungsarbeit) sehen die Fachpersonen der Stiftung, dass in den ressourcenarmen Gebieten die HIV-Prävention und die Sexualaufklärung die junge Bevölkerung nicht erreichen, obwohl sie dringend darauf angewiesen wären.

Als die wichtigsten Rahmenbedingungen betrachtet die Stiftung die Milleniums-Entwicklungsziele der UNO: Ziel Nr. 6 will die Ausbreitung des HIV-Virus stoppen. Präventive Ziele müssen in Bildung, Information und im Gesundheitswesen verankert werden (Paragraph 17,18). Insbesondere soll die Arbeit auf verletzliche Gruppen wie Frauen und junge Menschen ausgerichtet (Par. 37) und dabei regionale Initiativen (Par. 40) unterstützt werden.

Die Unaids reklamiert in ihrem Bericht bezüglich Kolumbiens, dass in der Nationalen Agenda die Priorisierung der HIV-Prävention ungenügend ist. Es fehlen finanzielle Mittel, um spezifische präventive Interventionen für Risikogruppen einzuleiten. Onusida schätzt im September 2006 die Zahl der HIV-Infizierten auf 220'000. Der Anteil der Jungen in der Altersgruppe der 15 – 24jährigen beträgt 33%, der Frauenanteil beträgt insgesamt 32%. Die meisten Infektionen finden durch ungeschützten Geschlechtsverkehr statt. Die Frauen werden zunehmend zu einer gewichtigen Risikogruppe gezählt, da übermässig viele Frauen durch Männer angesteckt werden, die ihrerseits Sex mit Männern haben. Dies führt zu einer unkontrollierten und rasanten Verbreitung von Ansteckungen. Jede 5. Frau zwischen 15 und 19 Jahren ist Mutter, 16% der Geburten stammen von jungen Müttern unter 18 Jahren. 29% der Frauen zwischen 15 und 25 Jahren haben beim letzten Geschlechtsverkehr kein Präservativ verwendet. Aufklärung tut Not! (weitere Infos auf dem Faktenblatt). Das Secretaria de Salud wollte die Aufklärungskampagne Salud al colegio starten. Das Programm wurde von den Schulen aber mehrheitlich abgelehnt, es basiert auf theoretischer Wissensvermittlung und vertritt eine konservative und katholische Grundhaltung bezüglich Sexualaufklärung. Es konnten damit keine positiven Resultate belegt werden.

Die Fundación Doctora Clown hat ein Fachteam zusammengestellt und eine Methode entwickelt, die für Wissensvermittlung und Verhaltensmodifikationen von Jugendlichen geeignet ist. Sie hat die personellen Ressourcen, um die operativen Ziele des Projekts umzusetzen. Zudem verfügt sie über einen grossen Bekanntheitsgrad und einen guten Namen in Kolumbien (Preise, Nationales Gütesiegel, im Jahr 2006 eine eigene Fernsehsendung, Präventionsprogramm für Secretaria de Salud) und verfügt damit über alle Voraussetzungen, um weitere grundlegende Netzwerkarbeit zu leisten.

Die Entwicklungsphase dauerte von Mai 2006 bis Juni 2007. Das Vorprojekt (Evaluation der Methode) läuft von Juli 2007 bis Oktober 2007. Die Stiftung hat Kontakte zu Secretaria de Salud, Secretaria de educacion und Naciones Unidas. Diese Organisationen haben zugesagt, das Vorprojekt von Doctora Clown zu begleiten. Das Vorprojekt wird vom Gönnerverein finanziert.

2. Die Ziele des Projekts

Das erste Projektziel richtet sich direkt an die betroffenen Jugendlichen, es gilt, ihre Selbstkompe-tenz und Eigenverantwortlichkeit zu aktivieren und wichtiges Wissen wertfrei zu vermitteln. Die Interaktivität des Forumtheaters ermöglicht, dass Konsequenzen von unterschiedlichen Handlungs-weisen unmittelbar erprobt und verinnerlicht werden können. Alle Teilnehmenden (Jugendliche, Lehrpersonen, Eltern) nehmen an alters- und geschlechts-spezifischen interaktiven Theater-modulen teil. Drei Monate danach findet ein Verstärkungsmodul statt. Reflektion des eigenen Handelns, Aufklärung und Verhaltensanpassungen sind in diesem Projekt möglich.
Pro Jahr können etwa 6'000 bis 6'500 Jugendliche sowie deren Eltern und etwa 300 bis 400 Lehrpersonen erreicht werden.
Die staatlichen Präventionskampagnen sind hinsichtlich Abdeckung, Wertefreiheit und Koordination ungenügend, zudem basieren sie v.a. auf rein theoretischer Wissensvermittlung. Viele Jugendliche und Erwachsene werden nicht erreicht. Zudem fehlen eine transparente Planung und Information. Hingegen signalisiert das Secretaria de Salud Interesse an einer Zusammenarbeit. Die Ziele der Stiftung sind, dass
• die Richtlinien und die Ausrichtung für die pädagogische Sexualerziehung im Bildungswesen aktualisiert werden,
• auf der regionalen Ebene eine Koordination der Präventionsaktivitäten im Bereich HIV-Prävention stattfindet,
• die staatlichen Organisationen diese Prozesse unterstützen und mitfinanzieren,
• die Methode des Forumtheaters in diesem Bereich als geeignete Methode der Prävention und Bildung in Fachkreisen bekannt wird.

3. Die betroffene Bevölkerung und die Begünstigten

Die erste Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 10 - 16 Jahren, die Bezirksschulen, Schulheime, Waisen- und Strassenkinder-Internate, Jugendklubs, Strafanstalten für Jugendliche u.ä. in ressourcenarmen Quartieren besuchen.
Zudem nehmen ihre Eltern und die Lehrpersonen ebenfalls an eigenen Modulen teil.

Die Grundbedürfnisse und Interessen der Jugendlichen sind in den Rechten der UNO Kinderrechtskonvention festgelegt. Unter anderem wird darin ihr Recht auf Gesundheit, auf Information und Gehör, auf gewaltfreie Erziehung und auf Schutz vor sexueller Ausbeutung genannt. Gerade Jugendliche, die in ressourcenschwachen Gebieten aufwachsen müssen, dürfen nicht durch Ungleichbehandlung in der Prävention noch zusätzlich diskriminiert und von der Möglichkeit der gesellschaftlichen Partizipation ausgeschlossen werden.

4. Die lokale Partnerinstitution

Die Fundación Doctora Clown wurde am 13.2.1998 in Bogotá, Kolumbien, als Stiftung gegründet. Sie ist eine Non Profit Organisation (sin animo de lucro), politisch und konfessionell neutral und unabhängig (siehe auch unter www.doctoraclown.org).

Primäres Ziel der Stiftung ist die Durchführung von Projekten, die für Kinder und Jugendliche eine gesunde, nachhaltige und menschenwürdige Entwicklung gewährleisten. Die Wahrung der Menschenwürde und insbesondere der Rechte des Kindes sind wichtige Leitlinien für ihre Arbeit. Neben der Präventions- und Bildungsarbeit in Schulen, Spitälern und Firmen sind sie aktiv in der psychosozialen Begleitung von Kindern und Jugendlichen in Spitälern, Gesundheitszentren und in ressourcenschwachen Quartieren. Sie werden regelmässig seit 2001 an den Nationalen Pädiatriekongress und zunehmend auch an internationale Fachkongresse in Südamerika eingeladen, um ihre Arbeit und deren Resultate vorzustellen. Seit 2005 begleiten sie mit ihrem Know-how Spitalclown-Organisationen in Ecuador, Panama und Peru, die sich noch in der Aufbauphase befinden.
Alle von ihnen entwickelten Methoden sind mit theatralen-interaktiven Techniken verknüpft. Die terapia de la risa (Lach- und Spieltherapie) basiert auf theatraler Improvisation und Interaktion und der positiven Wirkung von Humor und Spiel auf Kinder. Die pedagogia ludica (Spieltherapie) basiert auf spielpädagogischen Grundsätzen. In der Prävention und der Bildung setzen sie auf Interaktions- und Forumtheaterformen. Die Menschen werden zu handelnden Personen, sie werden dabei unterstützt, eigene Ressourcen zu aktivieren und können in ihren Kompetenzen und in ihrer Eigenständigkeit bestärkt werden.

Die Stiftung bewegt sich in einem losen Netzwerk von andern nicht-staatlichen Organisationen in andern südamerikanischen Ländern. Dieses Zusammenwirken basiert auf Austausch und Weiterbildung. Die Stiftung plant den Beitritt ab 2008 in ein weltumspannendes Netzwerk von etwa zehn Spitalclown-Organisationen unter der Leitung der Cliniclowns Stiftung in Holland.

5. Die bisher erzielten Resultate und Wirkungen in andern Projekten

Die Akzeptanz der Spiel- und Lachtherapie (terapia de la risa) in Spitälern ist nach neun Jahren hoch. Mehr als 120'000 Kinder wurden von Clowns besucht. Der Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit ist sehr hoch. Heute arbeitet die Stiftung mit 20 ausgebildeten Fachpersonen, diese besuchen als Clowns monatlich 56 Spitäler in fünf Grossstädten. Die Zusammenarbeit wird vom medizinischen Fachpersonal geschätzt und gewünscht. Die Finanzierung kommt heute zu 95% von kolumbianischen Sponsoren und aus andern Tätigkeitsbereichen der Stiftung.

Die spielpädagogische Arbeit in Krippen für Kinder und Betreuende (Projekt Salud emocional, 2003-2005 mit Deza Unterstützung) zeigte unterschiedliche Resultate: Die Methode hat sich bewährt, insbesondere die Bildungsarbeit mit Erwachsenen hat sehr viele neue Aufträge generiert. Obwohl die Resonanz beim zuständigen DABS und COL (Centro Operationales Locales) positiv waren, fand das Projekt keine weitere Unterstützung. Die Lobby von Vorschulkindern und unausgebildeten Frauen fehlt und der Bedarf für qualitative Verbesserungen in diesen Institutionen ist für das politische Kräftemessen zu unwichtig.
Im Dezember 2005 hat die Stiftung für ihre innovativen Leistungen in der Gemeinwesenarbeit den ersten Preis des Magazins Portafolio gewonnen. Danach erhielt sie vom städtischen Gesundheits-amt (Secretaria de Salud) ein Mandat, um in 22 städtischen Spitälern ein ressourcenorientiertes Präventions- und Bildungsprogramm für das gesamte Personal durchzuführen.
Die strukturelle Unterstützung findet Doctora Clown dort, wo die Interessen der Zielgruppen auch klar in der Nationalen Agenda vorkommen. Ist dieses staatliche Mitinteresse nicht vorhanden, muss die Stiftung einen Weg finden, ihre Arbeit durch andere Projekte quer zu finanzieren. Die Stiftung hat es immer wieder verstanden, innovative Methoden für die Bildungs- und Präventionsarbeit zu schaffen. Unbekanntes wird aber in Kolumbien nicht unterstützt, solange es sich nicht in der Praxis erwiesen hat. Deswegen erfordern neue Ansätze auch Unterstützung.

6. Die erwarteten Resultate und Wirkungen des neuen Projekts

Direkte und unmittelbare Resultate: die teilnehmenden Jugendlichen können sich selbständig um ihren Schutz kümmern und eigenverantwortlich für ihre Bedürfnisse einstehen. Der Einbezug von Lehrpersonen und Eltern führt zu einem wichtigen Anstoss für Wertediskussion und Umdenken. Der interaktionistische Ansatz des Forumtheaters unterstützt Verhaltensmodifikationen und löst prozessbedingt Bewusstseinsveränderung aus (und er basiert nicht auf theoretischer Informations-vermittlung).

Erster Indikator ist die Zahl der teilnehmenden Jugendlichen und Erwachsenen, die die verschiede-nen Module besucht haben. Zweiter Indikator ist, ob eine Koordination der Präventionsangebote im HIV-Bereich und im Bildungswesen erreicht wird und die staatliche Gesundheitsbehörde ihre Unterstützung und Eigenleistungen klar definiert und das Interesse an einer Zusammenarbeit zu konkreten Aufträgen führt.

7. Vorgesehene Aktivitäten, Zeitplan und Abschluss-Szenario

Die Stiftung arbeitet direkt mit den Schulen und Internaten zusammen, die für Jugendliche der Zielgruppe bestehen. Die Schulen müssen eine Mindestgrösse von 200 Lernenden haben. Viele Schulen haben auf Anfrage ihr Interesse signalisiert. Viele Schulen begegnen den staatlichen (nicht ganz wertfreien) Präventionskampagnen mit Zurückhaltung oder Ablehnung.

Als Methode dient das Forumtheater. Das erste Modul des HIV-Präventionsprogramms besteht aus einer interaktiven Theateraufführung, die den Themenbogen mit den Gefahren und Schwierigkeiten der Jugendlichen beschreibt. Danach finden als zweiter Teil die Workshops in kleinen alters- und geschlechtsgetrennten Gruppen statt, worin persönliche und individuelle Auseinandersetzung möglich ist. Die Lehrpersonen und Eltern besuchen parallel dieselben Workshops, die wiederum auf ihre Optik als Erziehende ausgerichtet sind. Ein Verstärkungsmodul nach drei Monaten kontrolliert Veränderungen und bestärkt nochmals Verhaltensmodifikationen und Information. Die Zusammenarbeit mit den Schulen kann nur während 8 Monaten im Jahr stattfinden, die restliche Zeit entfällt wegen Ferien- und Prüfungszeiten. Die Vernetzungs- und Koordinationsbestrebungen können während etwa zehn Monaten im Jahr stattfinden.

Szenario A) die Stiftung findet einen staatlichen Auftraggeber für die Fortsetzung der Präventionsarbeit.
Szenario B) die Stiftung arbeitet in Privatschulen und mit privaten Aufträgen. Die Mehreinnahmen aus diesen Leistungen investiert sie in die Präventionsarbeit in ressourcenschwachen Gebieten. Zudem sucht sie Sponsoren, die diese Arbeit mittragen.
Szenario C) die Vernetzung mit andern Organisationen garantiert eine grössere Abdeckung und mehr Synergien und zieht das Interesse eines internationalen Auftrag- bzw. Geldgebers an.

8. Einzusetzende Mittel und Verantwortlichkeiten

Die Stiftung verfügt über ein Fachteam (Psychologie, Pädagogik, Theaterpädagogik, psychosoziale Therapie). Dieses hat das Programm in Abstimmung mit Grundlagen der IE (Internacional de la Educacion) entwickelt.
Die Gesamtverantwortung für das Projekt trägt Adriana Neira (Direktorin der Stiftung), der Projektleiter Schulen ist Juan David Villa (Psychologe der Stiftung, Projektleiter des Vorprojekts).
Die Workshop-LeiterInnen des Projektteams sind in der Regel diplomierte SchauspielerInnen , die über mehrere Jahre Erfahrung in psychosozialer Arbeit mit Kindern und Erwachsenen verfügen und sich in andern Projekten der Stiftung bewährt haben.

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